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Die Lesung am Samstag, 21. Oktober, fällt aus! +++
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Freitag, 20. Oktober 2017 - 19:00 Uhr
Hans Mahle - Intendant des Berliner Rundfunks der ersten Stunde

Lesung von Dr. Katharina Lange

Als am 13. Mai 1945 inmitten von Trümmern der Sender Berlin im Auftrag der sowjetischen Alliierten auszustrahlen begann, avancierte er schnell zum Hoffnungsträger vieler Demokraten. Hans Mahle – Kommunist, Mitglied der „Gruppe Ulbricht“ und rundfunkerfahren – war der Mann, der mit der ersten Intendanz beauftragt wurde. Er blieb nur kurze Zeit in diesem Amt. Das politische Klima wechselte.



Von den bewegenden Anfängen liest Autorin Katharina Lange (Riege) aus ihrem Buch „Einem Traum verpflichtet. Hans Mahle – eine Biographie“ (VSA-Verlag 2003) und lässt dabei den Porträtierten mit seinen Motivationen auch selbst zu Wort kommen.

Über ihre Beschäftigung mit Hans Mahle berichtet die Autorin: "Als ich Ende 1994 im Auftrag des Instituts für zeitgeschichtliche Jugendforschung in Moskau weilte, um in Archiven nach jugendpolitischen Konzepten für Nachkriegsdeutschland zu suchen, stieß ich auf Papiere aus der Feder von Hans Mahle. Der Hamburger Arbeiterjunge und Jungkommunist, der nach mutigen und nicht selten waghalsigen Aktionen gegen die Nazis nach Moskau floh, gehörte seit 1943 zu einer Gruppe von Parteifunktionären, die seitens der Exilführung der KPD für Führungsaufgaben nach dem Krieg vorgesehen war. 32jährig entwickelte er als Mitglied des neu gegründeten Nationalkomitees Freies Deutschland (NKFD) ein Sofortprogramm für die deutsche Jugend zum Wiederaufbau, das auf demokratischen Prämissen beruhte und von einem Kommunistischen Jugendverband Abstand nahm. Vorausgegangen waren vielfältige eigene tragische Erfahrungen mit der Spaltung der Arbeiterjugend, die harten Diskussionen um den von ihm geleiteten Schwarzsender "Sturmadler", der nach Deutschland ausstrahlte und versuchte, vom nationalsozialistischen Standpunkt aus Kritik zu üben sowie zahlreiche aufwühlende Gespräche mit deutschen Soldaten und Offizieren in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern.
1945 kehrt Hans Mahle mit der "Gruppe Ulbricht" nach Deutschland zurück. Zu diesem Zeitpunkt waren die Überlegungen aus den ersten Monaten des NKFD längst Makulatur. Die Militärregierungen der vier Besatzungsmächte verfolgten andere Pläne. Doch Mahle wurde anderweitig gebraucht. Der Berliner Stadtkommandant Bersarin erteilte ihm den Befehl, den Sender Berlin wieder in Gang zu setzen. Ein neues spannendes Kapitel im Leben des Hans Mahle begann, das seiner Intendanz beim Berliner Rundfunk. Über Hintergründe, Verlauf und jähes Ende wird auf der Lesung im Steglitz-Museum am 20. Oktober 2017 zu hören sein, auch aus dem Munde von Hans Mahle selbst.
Ich durfte Hans Mahle noch persönlich kennen lernen. Über zwei Jahre besuchte ich ihn regelmäßig in seiner Wohnung am Steglitzer Damm. Er erzählte mir aus seinem ungewöhnlichen, an Brüchen reichen Leben nahe den Brennpunkten politischen Geschehens in Europa. Dass er trotz aller erlittener Niederlagen an seiner kommunistischen Überzeugung festhielt, stimmte mich nachdenklich, und es drängte mich, ein Buch darüber zu schreiben. Es wurde auch ein Buch über einen bewegten Abschnitt der Rundfunkgeschichte
."


Katharina Lange

Die Autorin wuchs im thüringischen Jena auf. Von 1977-1982 absolvierte sie ein Studium der Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1982-1990 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Akademie der Wissenschaften der DDR in der Forschungsgruppe Weimarer Republik, später im neu gegründeten Institut für zeitgeschichtliche Jugendforschung und bis 2000 am Institut für Sozialpädagogik der Technischen Universität Berlin. Sie widmete sich Fragen der Außenpolitik in der Weimarer Republik, publizierte biographische Studien und nahm sich speziellen Forschungsfragen zur Geschichte der Jugend und Jugendgenerationen in der DDR an. 1990 promovierte sie zum Dr. phil., war danach im Institutsmanagement u.a. an den Verhandlungen zur Einbringung des Archivs der Freien Deutschen Jugend in das Bundesarchiv beteiligt. 2003 erschien ihr Buch: "Einem Traum verpflichtet. Hans Mahle - eine Biographie", mit dem sie exemplarisch den Weg eines deutschen Kommunisten im 20. Jahrhundert zwischen Hoffnung und Tragik mit einem speziellen Fokus auf das Verhältnis von Selbst- und Fremdbestimmung nachzeichnete. Nachdem ihr Arbeitsverhältnis an der TU aufgrund eines Einstellungsstopps nicht fortgesetzt werden konnte, arbeitete sie, ausgestattet mit zusätzlichen Berufsabschlüssen im Management, als Projektleiterin von Kinder- und Jugendprojekten, baute ein Geschäftsfeld im Bereich Altenhilfe für ein mittelständisches Berliner Unternehmen auf, leitete eine Begegnungsstätte in Friedrichshain und gründete parallel ein eigenes kleines Unternehmen. Besonderen Widerhall fanden Ihre Kulturprojekte "Fest der Sinne" im Schloss Biesdorf im Rahmen von kultour à la carte 2008 und ihr interkulturelles, generationenübergreifendes Tanzprojekt "Reif für den Frieden", das beim Kreuzberger Karneval der Kulturen 2012 von der Jury mit einem 2. Platz geehrt wurde. Heute arbeitet sie als Koordinatorin der Kontaktstelle PflegeEngagement Friedrichshain-Kreuzberg.

Das Buch von Katharina Lange ist leider vergriffen, kann aber beim Verlag gegen eine Spende heruntergeladen werden. Zum Download
hier.

Zeit: 19.00 Uhr

Anmeldung erbeten
per E-mail [veranstaltungen[at]steglitz-museum.de]
oder telefonisch: 030/ 8 33 21 09


Teilnahme kostenlos

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Samstag, 21. Oktober 2017 - 19:30 Uhr
Wenns Ärger regnet, Charme aufspannen

Veranstaltung fällt aus!

1981 erschien erstmals seine satirische Wochenkolumne „Lebenslagen“, die bis zu seinem Ausscheiden aus dem Springer Verlag 2011 insgesamt 30 Jahre lang in der Berliner Morgenpost veröffentlicht wurde (noch heute im Internet).


Bernd Philipp

Seine Satiren über die kleinen Sensationen des Alltags erschienen in 15 Büchern. Die „Berliner Rundschau“ schrieb: „Mark Twain hat einen Nachfolger bekommen!

Aufgrund einer plötzlichen Erkrankung des Autors muss die Veranstaltung leider verschoben werden.
Über den neuen Termin werden wir Sie rechtzeitig informieren.


Zeit: 19.30 Uhr

Anmeldung erbeten
per
E-mail [veranstaltungen[at]steglitz-museum.de]
oder telefonisch: 030/ 8 33 21 09


Kosten: Es wird um Spenden gebeten

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Freitag, 27. Oktober 2017 - 19:00 Uhr
Vom Entziffern antiker Inschriften zum Entschlüsseln militärischer Funksprüche

Der Altphilologe Ludwig Deubner im Ersten Weltkrieg
Vortrag von Dr. Christian Deubner


Zu Kriegsbeginn am 31. Juli 1914 war Ludwig Deubner 37 Jahre alt und Professor für Klassische Philolo­gie an der Universität Königsberg. Er meldete sich am 8. August auf seinem Polizeirevier als freiwilliger Landsturmmann und trat zehn Tage später den Dienst als Russisch-Dolmetscher auf der Groß-Funk­sta­tion der Festung Königsberg an, wo der russische Funkverkehr abgehört wurde.


Ludwig Deubner 1914/15 (Privatbesitz Christian Deubner)

Als er gerade seine ersten sechs Arbeitstage auf der Funkstation abgeleistet hatte, be­gann die Schlacht von Tannenberg. Der deutsche Sieg wurde begünstigt durch recht­zeitige Entdeckung der russischen Aufmarschpläne – enthalten in umfangreichen rus­si­­schen Funksprüchen an deren Entzifferung Ludwig Deubner wohl bereits einen maß­­geb­li­chen Anteil hatte.
Wenige Monate später war er zum Architekt und Leiter eines neuen, zentral organisier­ten und gut funktionierenden Dienstes für Funkaufklärung und Dechiffrierung beim deutschen Oberkommando im Osten avanciert, dessen Erkenntnisse für die erfolgrei­che deutsche Kriegfüh­rung dort unentbehrlich wurden.
Der Vortrag gibt einen kurzen Abriss dieser Geschichte in den ersten Kriegsmonaten, wie sie großenteils aus der historischen Literatur bekannt ist.
In einem zweiten Teil fragt er dann, wie sich diese großen Erfolge erklären lassen. Eine wichtige Antwort ist, dass es tatsächlich vom Entziffern antiker Inschrif­ten und Kodi­zes zum Ent­schlüsseln militärischer Funksprüche kein so großer Schritt ist. Klassische Philo­lo­gen waren und sind dabei begehrte Helfer und insofern war Deubner im August ‘14 der richtige Mann am richtigen Ort.
Andere spannende Fragen zu den Entwicklungen von 1914 sind da­ge­­gen bisher unbe­ant­wortet geblieben. Hier wird der Vortrag zu einem ‘Ermittlungsverfah­ren‘, bei dem die bisher unveröffentlichten Tagebücher von Ludwig Deubner manchen inte­ressanten, neuen Aufschluss geben, manche Behauptung entkräften. Die letzte Frage gilt noch einmal Deubners Beitrag zum Sieg von Tannenberg.

Christian Deubner ist Politikwissenschaftler,  er promovierte bei Gilbert Ziebura und Hajo Riese an der Freien Universität Berlin, wo er sich später auch habilitierte. Er lehrte und forschte ab 1969 zunächst weiter in Berlin und seit 1975 an der Universität Konstanz. Von dort wechselte er 1978 zur Stiftung Wissenschaft und Politik in Ebenhausen, mit der er zur Jahreswende 2001/02 auch nach Berlin kam, zuletzt als Leiter der Europa-For­schungs­­gruppe. Neun Berufsjahre verbrachte er in Paris, 1986-89 als erster Vertre­ter der Friedrich-Ebert-Stiftung, und 2002-2008 als Projektleiter beim Commis­sa­riat Général du Plan und dann als Wissenschaftler am CEPII. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt in der Europapolitik. Seit 2007 arbeitet er in Berlin als Autor und Dozent und berät die Brüsseler ‘Foundation for European Progressive Studies (FEPS).

Zeit: 19.00 Uhr

Anmeldung erbeten
per
E-mail [veranstaltungen[at]steglitz-museum.de]
oder telefonisch: 030/ 8 33 21 09


Teilnahme kostenlos

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Samstag, 28. Oktober 2017 - 19:30 Uhr
Chansonkonzert

Hilfe, die Berliner kommen!

Musikalisch-kabarettistischer Städtetrip
mit Charme & Schnauze zwischen Wien und Berlin

Das war schon immer eine komplizierte, aber leidenschaftliche Beziehung.


"Chanson-Nette" Jeannette Urzendowsky | Andreas Brencic

Die waschechte Berliner Schauspielerin und Sängerin
 „Chanson-Nette“ Jeannette Urzendowsky hat noch einen Koffer in Wien.
Und der Wiener Bua & Pianist Andreas Brencic mag G’schichten aus dem Grunewald.
Gönnen Sie sich mit diesem Pärchen einen höchst unterhaltsamen, musikalisch-kabarettistischen Städte-Trip in zwei bis heute hingebungsvoll verbandelte, zugleich beinhart konkurrierende Metropolen.

Kurt Robitschek oder Jimmy Berg kamen nach Berlin.
In Wien erholten sich Berliner Künstler von den Zumutungen ihrer hektischen Weltstadt.
Eine Liebeserklärung an Berlin und Wien.
Mit Jeannette Urzendowsky & Andreas Brencic  musikalische Leitung und am Piano

Zeit: 19.30 Uhr

Kosten: 10,00 EUR

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Freitag, 3. November 2017 - 19:30 Uhr
Die Münchner Fürstenhochzeit von 1568

Vortrag mit Musikbeispielen | Referent Dr. Bernhard Morbach

Quelle: Bernhard Morbach, Die Musikwelt der Renaissance, Kassel (Bärenreiter) 2006

Massimo Troianos Dialoge sind »Zwiegespräche über die Festlichkeiten bei der Hochzeit des bayerischen Erbherzogs Wilhelm V. mit Renata von Lothringen, im Februar 1568«. Gesprächspartner sind MARINIO und FORTUNIO
Wir befinden uns in München, als die Hofkapelle der Wittelsbacher unter der Leitung von Orlando di Lasso zur höchsten Blüte gelangt war.
Kein Wunder, dass der Geschichtsschreiber diese zu Beginn würdigt, bevor er – als humanistische Gebildeter – das Lob der Musik allgemein verkündet, indem er sich auf wichtige Topoi der antiken Musikanschauung stützt, etwa auf die Vorstellung von einer Harmonie der Sphären.


Münchner Hofkapelle

Danach erhält man interessante Informationen über ihre Besetzung und über ihre Aufgaben in der Hofhaltung:
»FOR. Die Sänger musizieren jeden Morgen beim Hochamt, außerdem samstags und an den Vigilien der Festtage zur Vesper. Und die Bläser, gemeinsam mit den Sängern, an Sonn und Festtagen zur Messe und zur Vesper. MAR.
Und wann braucht er die Geiger? FOR. Solange ich dort war, habe ich nur gesehen, daß er sie zur Tafel brauchte. Aber ich höre, daß sie oftmals in der Zeit der mittäglichen Siesta musiziert haben, mal mit Geigen, mal mit Violen, mal mit Clavichord, Flöten und Cister und anderen Instrumenten. Diese Ensemblemusik der Geiger, Bläser und Kammersänger muß wahrlich schön und kunstvoll sein. MAR. Sagt mir, wie diese Tafelmusik vor sich geht? FOR. Nachdem der erste Gang aufgetragen ist, alle bei Tisch Platz genommen haben und der erste Lärm sich gelegt hat, der gewöhnlich beim Hinsetzen entsteht, tun die Bläser ihre Pflicht mit Cornamusa oder Pfeifen, Posaunen oder Hörnern, bis zum zweiten Gang. Sie spielen französische Chansons und heitere Kompositionen. Danach musizieren Antonio Moran und seine Gesellen auf Geigen (oder auch Violen und anderen Instrumenten) in himmlischer Harmonie französische Chansons, kunstvolle Motetten und leichte Madrigale bis zum letzten Gang. Wenn das Obst aufgetragen wird, kommt Orlando di Lasso mit seinen Sängern und öffnet alle Schleusen. Mit süßen, vollen Stimmen bringen sie jeden Tag neue Kompositionen zu Gehör und, oftmals läßt er zur großen Befriedigung des Herzogs ausgewählte erfahrene Sänger schöne vier und dreistimmige Sätze vortragen. Ich kann schwören, gesehen zu haben, wie seine Gnaden vor lauter Begeisterung am Wohlklang das Essen vergaßen.«

Zeit: 19.30 Uhr

Anmeldung Anmeldung erbeten
per
E-mail [veranstaltungen[at]steglitz-museum.de]
oder telefonisch: 030/ 8 33 21 09


Teilnahme kostenlos

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Montag, 6. November 2017 - 14:00 Uhr
Besichtigung des Deutschen Rundfunkarchivs (DRA) in Potsdam-Babelsberg


Das Deutsche Rundfunkarchiv in Potsdam-Babelsberg beherbergt eine umfangreiche Sammlung alter Ton- und Bilddokumente - Schallplatten, Radios, Tonbänder oder Filmstreifen. Alle haben sie eine Geschichte und stellen uns vor die Frage, wie sie erhalten werden können. Wie sah der Phonograph von Thomas Alva Edison aus? Wie klingt der O-Ton von frühen Schall- und Filmaufnahmen? Dr. Jörg Uwe Fischer von der Abteilung Schriftgutbestände & Sammlungen führt durch die Räumlichkeiten des Rundfunkarchivs und erläutert, wie das Archiv geordnet ist, was gesammelt wird und wie die Geschichte des Rundfunks zu verstehen ist.


Zur Führung können 20 Personen nach Anmeldung zugelassen werden. Nach der Anmeldung übersenden wir Ihnen nähere Angaben zum Treffpunkt.


Zeit: 14.00 Uhr
von 14.00 bis 16.00 Uhr

Anmeldung erforderlich
per E-mail [veranstaltungen[at]steglitz-museum.de]
oder telefonisch: 030/ 8 33 21 09


Teilnahme kostenlos

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Samstag, 11. November 2017 - 19:30 Uhr
Heinrich Seidel - Dichter und Ingenieur

Veranstaltung fällt aus!



Zeit: 19.30 Uhr

Anmeldung erbeten
per
E-mail [veranstaltungen[at]steglitz-museum.de]
oder telefonisch: 030/ 8 33 21 09


Teilnahme kostenlos

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Freitag, 24. November 2017 - 19:00 Uhr
Parlament des Geistes? Der Kulturbund in der Nachkriegszeit

Vortrag von Prof. Dr. Siegfried Prokop

Der Kulturbund hatte im Verlaufe seines Werdeganges eine geradezu klas­sische Periode. Es ist dies die Zeitspanne unmittelbar nach seiner Grün­dung im Jahre 1945. Vor allem sein Präsidialrat, in dem sich Geistesgrößen verschiedener politischer Couleur versammelten, bot ein Prisma pluralis­tischer Positionen, deren einigendes Band der ursprüngliche Antifaschis­mus noch vor dem vollen Ausbruch des Kalten Krieges war. Der frühe Kulturbund war das beidseitig gewollte und in der deutschen Geschichte bisher einmalig dastehende Dialogforum von sozialistischen, christli­chen, bürgerlichen und atheistischen Intellektuellen. Dieses Dialogforum hatte nur in der Etappe des „hilflosen Antifaschismus“, d. h. solange dieser noch nicht durch seinen Pedanten, den Antikommunismus, neutralisiert werden konnte, eine Chance. Verengung des Dialogfeldes war im Wes­ten wie im Osten die unvermeidbare Folge des aufbrechenden Konfliktes zwischen West und Ost, der bald Kalter Krieg genannt wurde. Es kam zur Polarisierung. Der Kulturbund setzte sich zur Wehr in den Westsektoren Berlins, mit Ausnahme des französischen, gegen das De-facto Verbot im Herbst 1947, in den Westzonen gegen nicht wenige Schikanen und in der sowjetischen Zone dagegen, dass er für das sowjetische Politikmodell, das seit Mitte 1948 angesagt war, bestimmten SED-Politikern und Vertretern der SMAD untauglich schien. Der Kulturbund vermochte nur zu überle­ben, wenn er das von ihm bis dahin hochgehaltene Prinzip der Überpar­teilichkeit opferte.
Am 14. September 1948 befasste sich die Landesleitung Berlin in einer Sondersitzung mit der Personalie Friedensburg. Über Friedensburg, der im Berliner Kulturbund keine Funktion innehatte, wurde folgender Beschluss gefasst: „Dr. Friedensburg [hat] den Grundsätzen des Kulturbundes provokatorisch entgegengewirkt. Die Landesleitung des Kulturbundes beschließe deshalb, Herrn Friedensburg aus dem Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands auszuschließen.“ Auf der Präsidialratsberatung am 12. November 1948 wies Klaus Gysi darauf hin, dass eine Reihe von Präsidialratsmitgliedern den Vorwurf erhebt, dass Friedensburg nicht gehört worden sei. Robert Havemann legte Wert auf die Feststellung, die Erledigung des Falles Friedensburg halte er für nicht richtig. Er bedaure die Art und Weise.
Der Hinauswurf von Dr. Friedensburg markierte eine Zäsur: den Bruch mit dem Prinzip der Überparteilichkeit.  Namhafte Persönlichkeiten wie Reneé Sintenis, Eugen Fischer-Baling und Rudolf Pechel verließen aus Protest den Kulturbund. 

Siegfried Prokop mit Gisela May beim Wolfgang Harich-Gedenkkolloquium 2003
(Privatbesitz S. Prokop)


Siegfried Prokop
Geb.1940 in Böhmen. 1946-1958 Schule und Oberschule im Dorf Chemnitz  und in Neubrandenburg. 1958 -63 Studium der Geschichte und Germanistik in Berlin und Leningrad (St. Petersburg). 1983 bis 1996 Professor für Zeitgeschichte am Institut für Geschichte der Humboldt Universität zu Berlin. 1987 Gastprofessur in Paris, 1988 in Moskau und 1991 in Montreal. 1998 Projektleiter an der Forschungsstelle für historische und sozialwissenschaftliche Studien Berlin-Marzahn. 1994-1996 Vorsitzender der Alternativen Enquetekommission „Deutsche Zeitgeschichte“. 2006 -2012 Vorstandsvorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg.
Publizist und Historiker in Bernau bei Berlin. Verheiratet mit einer Ärztin. Zwei Töchter. 
Bibliographie (Auswahl):
Studenten im Aufbruch, Berlin / Dortmund 1974; Übergang zum Sozialismus in der DDR, Berlin 1986; Deutsche Zeitgeschichte - neu befragt, Berlin 1990; Unternehmen „Chinese Wall“, Frankfurt/M. 1992 u. 1993; Ich bin zu früh geboren. Auf den Spuren Wolfgang Harichs, Berlin 1997; Der 17. Juni 1953. Geschichtsmythen und historischer Prozess, Berlin 2003; 1956 - DDR am Scheideweg, Berlin 2006; Die Berliner Mauer, Berlin 2009; Intellektuelle in den Wirren der Nachkriegszeit, Berlin 2010 (Teil 1) u. 2011 (Teil 2).
als Hrsg.: Die kurze Zeit der Utopie, Berlin 1994; Ein Streiter für Deutschland. Auseinandersetzung mit Wolfgang Harich, Berlin 1996; Der versäumte Paradigmenwechsel, Schkeuditz 2008; Ulbrichts Favorit. Auskünfte von Alfred Neumann, Berlin 2009; zusammen mit Dieter Zänker: Einheit im Geistigen? Protokolle des Präsidialrates des Kulturbundes 1945-1948, Berlin 2015.

Zeit: 19.00 Uhr

Anmeldung erbeten
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oder telefonisch: 030/ 8 33 21 09


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Sonntag, 26. November 2017 - 15:30 Uhr
Führung durch die Ausstellung mit Olaf Schlunke

Ein Rektor aus Lichterfelde

Führung durch die Ausstellung Ein Rektor aus Lichterfelde.
Johannes Stroux und der Wiederaufbau des Berliner Wissenschaftsbetriebs nach 1945


Zeit: 15.30 Uhr

Teilnahme kostenlos

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Freitag, 1. Dezember 2017 - 19:30 Uhr
Die »Politique« der Katharina von Medici und die Feste am Hofe der Valois

Vortrag, Referent: Dr. Bernhard Morbach



Hochzeitsmesse

Im Gegensatz zu den Festen Karls V. waren die zwischen 1560 und 1585 am Hofe der Valois stattfindenden Feste das Produkt ganz spezifischer politischer Umstände, die sowohl die Hintergründe als auch die Motivation dafür lieferten.
Die Situation, die Katharina im Jahre 1559 vorfand, war keineswegs einmalig und bildete die Hintergründe für alle ihre Hoffeste bzw. »magnificences«, wie sie sie nannte.
Zu Beginn der 1560er Jahre gab es in Frankreich drei wesentliche politische Gruppierungen. Die Führer der ersten Gruppe  die meisten von ihnen Katholiken  kamen aus dem mächtigen Hause Lothringen, nämlich der Familie Guise. Die zweite, deren Mitglieder größtenteils Hugenotten waren, wurde von den Familien Bourbon und Chântillon angeführt. In der Mitte stand die Krone, bankrott und mit einem jungen, unerfahrenen König an der Spitze, der nicht stark genug war, um entweder die miteinander rivalisierenden politischreligiösen Gruppen zu dominieren, oder sich abseits von ihnen zu halten.
Als Ergebnis dieser Konstellation geriet die Monarchie für einen Zeitraum von dreißig Jahren in eine gefährliche Isolation, bis sie sich endgültig in der Person Heinrichs von Navarra für eine Seite entschied.
Katharina wurde von ihren Staatssekretären treu unterstützt, die ihre Korrespondenz erledigten, endlose Verhandlungen mit rivalisierenden Gruppen führten, ihre unermüdlichen Bemühungen um Frieden mittrugen, und ihr bei der Ausrichtung der Feste halfen. Katharinas Politik ist in ihrer ganz persönlichen impresa symbolisiert: ein Regenbogen mit einem griechischen Motto, was bedeutete: "Er bringt Frieden und Heiterkeit".
Sie mußte sich mit dem Problem auseinandersetzen, daß jeder Religionskrieg unweigerlich zum nächsten führte, daß jede Seite ständig behauptete, sich selbst verteidigen zu müssen, und daß es durch die daraus resultierende beiderseitige Angst zu einem völligen Zusammenbruch des Vertrauens aller Parteien untereinander kam.
Katharina stand zwischen allen und mühte sich ab, bedrängt vom drohenden Staatsbankrott, von einer korrupten und nicht reformierten Kirche und von der wachsenden Macht Spaniens entlang beider Grenzen. Dazu kam die Frage, wie sie religiöse Minderheiten das Recht zugestehen konnte, ihren Glauben unbehelligt auszuüben. Es war immer ihre Politik, nach Frieden und Mäßigung zu streben  – der Begriff ,politique" faßte dies zusammen.

Zeit: 19.30 Uhr

Anmeldung erbeten
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oder telefonisch: 030/ 8 33 21 09


Teilnahme kostenlos

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